Berlin – zerlegt und collagiert

 

Das Unsichtbare, aber grundlegend Wichtige in der Malerei, wie auch in der Fotografie, ist bekanntlich das Licht. Dass der Gesamteindruck eines Bildes sich aus kleinen Flächen oder sogar Punkten zusammensetzt, haben bereits die Impressionisten thematisiert (Monet, Renoir). Die mathematische Spitze dieser Auffassung stellt der Pointilismus dar (etwa Seurat) …

Nehmen wir die Fotografie, bzw. gehen jetzt einmal zu Horst Hinder über, dann fällt auf, dass er Hunderte von Einzelbildern zu größeren Einheiten zusammensetzt, bzw. große Bildeinheiten und kleine, lichtpunktartige Fraktale ins Verhältnis bringt. Dieses Verfahren, könnte man strukturell mit einem Prinzip beschreiben, das René Descartes berühmt gemacht hat und das auch das leitende Prinzip der Moderne ist.

Descartes sagte: Wenn man ein komplexes Problem darstellen will (sagen wir Berlin), müsse man es in möglichst viele Teilprobleme zerlegen, diese Teilprobleme einzeln lösen und aus diesen Lösungen das Ganze wieder zusammensetzen. Die letzten dreihundert Jahre Europäische Geschichte leben von diesem Prinzip. Wir nennen es ‚Fortschritt‘ und wir hoffen, dass das Prinzip der Zerlegung und Zusammensetzung in Politik, Technik und auf anderen Ebenen eine Verbesserung der Verhältnisse ermöglicht.

Wir sind also bei aufkommenden Problemen sofort bereit, zu unterscheiden, zu zergliedern, Speziallösungen zu suchen, aus denen unsere Welt dann, so hoffen wir, durch Vertrauen in die Zukunft sich verbessert. Jeder weiß, dass diese neuzeitliche Fortschrittshoffnung bzw. Zukunftssehnsucht uns heute gelegentlich fragwürdig vorkommt – man nennt dieses Phänomen Postmoderne. Horst Hinders Arbeitsweise spiegelt das … Daher würde ich Horst Hinder nach einem Schema, das ich jetzt vorschlage, als einen Künstler bezeichnen, der die Zukunftssehnsucht der Moderne ins Bild bringt – nicht symbolisch aber doch methodisch.

Reinhard Knodt


Die Motive werden in kleiner Auflage von max. 10 Exemplaren auf hochwertiger Leinwand reproduziert. Näheres auf Anfrage.

Horst Hinder